OLDENBURG /BERLIN Die berühmten Scheibenräder des Landesmuseums Natur und Mensch in Oldenburg werden ab 21. September in der Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ im Berliner Martin-Gropius-Bau präsentiert werden. Sie sind daher nur noch bis Anfang September in Oldenburg zu sehen.

Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 präsentiert die Schau „Bewegte Zeiten“ im Gropius-Bau der Hauptstadt herausragende Exponate aus allen Bundesländern. Aus Oldenburg werden die Scheibenräder des Landesmuseums gezeigt. Außerdem noch eine Wagenachse vom Moorweg VII (ca. 4400 Jahre alt) sowie ein Teilstück des Moorwegs VI aus der Zeit um 50 vor Chr.

In den Jahren 1880 bis 1883 wurden beim Torfabbau im Vehnemoor bei Glum im Landkreis Oldenburg vier stark abgenutzte Scheibenräder gefunden. Sie lagen in einer Fläche von etwa acht bis neun Meter und gehören aufgrund ihrer gleichartigen Bauweise – die Abmessungen weichen nur geringfügig voneinander ab – wahrscheinlich alle zu einem vierrädrigen Wagen. Besonders ist, dass die Räder, obwohl sie erst Jahrzehnte nach ihrer Bergung ins Museum kamen, noch so gut erhalten sind. Diese gute Zustand lässt viele Rückschlüsse auf die Herstellungstechnik zu.

Ursprünglich lagen die Räder am Rand eines Moores flach auf dem Grund eines kleinen Tümpels. Sie wurden dort wahrscheinlich deponiert, um sie zu wässern. Das ist eine gute Methode, um Kompositstücken, die aus verschiedenen Teilen bestehen, wieder festen Halt zu geben, wenn sich die Bindung gelockert hat. In diesem Fall sind es die eingeschobenen Buchsen aus Birkenholz. Birke ist relativ weich, und es ist davon auszugehen, dass die Buchsen ein austauschbares Verschleißteil waren. Das weiche Birkenholz kann auch als Achsschmierung nützlich gewesen sein. Die Räder (Durchmesser 75 Zentimeter, Lauffläche 15 Zentimeter) selbst bestehen aus Erlenholz, das wesentlich härter ist.

Die Räder stammen aus der frühen Bronzezeit aus der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. Sie sind also ungefähr 3500 Jahre alt. Scheibenräder aus dieser Zeit sind bislang nur aus Niedersachsen nachweisbar. Aus Dänemark stammen zwar ähnliche Exemplare, sie datieren aber aus der wesentlich jüngeren Eisenzeit.

Durch die Lagerung im feuchten Milieu haben sich die Räder so lange erhalten. Unter Luftabschluss können Bakterien das Holz nicht zersetzen. Daher sind die Moore um Oldenburg für die Archäologie eine so wichtige Quelle. Organisches Material, das sonst vergangen wäre, blieb hier erhalten und gibt Auskunft über den Stand der Technik und über das Leben unserer Vorfahren.

Die Räder sind seit vielen Jahren die Höhepunkte der Moor-Dauerausstellung des Landesmuseums. Aus Berlin werden sie voraussichtlich erst im Januar 2019 zurückkehren.

 

Quelle: NWZ vom 29.08.2018

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